5G-Antenne Argumente für Einsprachen

Bei den Antennen auf dem Standortdatenblatt des Swisscom-Baugesuchs mit den Laufnummern 7, 8 und 9 (Frequenzangabe 3600 MHz) handelt es sich um adaptive 5G Antennen. Es sind genau die Antennentypen, welche für Laien nicht mehr ohne Weiteres als beamforming Antennen erkennbar sind: https://www.gigaherz.ch/5g-das-neue-versteckspiel/

Die grossen Probleme bei 5G sind einerseits die höheren Frequenzen und anderseits die adaptiven Antennen (sog. beamforming-Antennen). Die sehr hohen Frequenzen (von 30 bis über 60 GHz, man spricht auch von Millimeterwellen) werden in der Schweiz noch nicht verwendet. Sie sind erst «in Planung». Somit sind die heutigen Maximalfrequenzen (bis 3.8 GHz) immer noch im Bereich der 4G-Technologie (bis 2.6 GHz).

Es besteht das Problem, dass je höher die Frequenzen, umso mehr werden sie absorbiert. Deshalb braucht es mehr Antennen oder höhere Sendeleistungen, um die gleichen Zonen zu versorgen. Und die Anbieter verharren anscheinend bei der Denkweise, das die Sendeantennen durch dicke Mauern bis in sämtliche Untergeschosse zu strahlen haben. Bei den angedachten Millimeterwellen wird dann das Problem auftreten, dass die geltenden Grenzwerte nicht einmal vor Gewebeverbrennungen schützen, wie der renommierte Prof. Niels Kuster der IT’IS für Frequenzen über 10 GHz zeigen konnte: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30247338

Das zur Zeit grosse Problem sind die adaptiven Antennen, welche typischerweise 64 „Sendekeulen“ haben, von denen bis zu 8 zu einem „Beam“ fokussiert werden. In die Richtungen der Empfänger und deren Umgebung werden damit sehr hohe Leistungen abgestrahlt, welche, wegen dem Herumschwirren der «Beams», kaum messbar und überprüfbar sind. Unter Fachleuten ist bekannt, dass die Mobilfunkanbieter dies gnadenlos ausnützen und in den Standortdatenblättern viel zu kleine Sendeleistungen angeben. Die Leistungsangaben ERP von 150 W der 3 Adaptivantennen im Standortdatenblatt, sind für eine Antenne mit 64 Sendern derart lächerlich klein, dass dies dem massgebenden Betriebszustand gemäss NISV Artikel 63 niemals ausreichen kann. Der massgebende Betriebszustand wir dort als «der maximale Gesprächs- und Datenverkehr bei maximaler Sendeleistung» definiert, welcher bei den Beamformingantennen mit den üblichen Messmethoden gar nicht mess- und kontrollierbar ist. Erst vor kurzem konnte die französische Aufsichtsbehörde ANFR nachweisen, dass die maximalen Feldstärken bei Vollast, im Vergleich zu den Werten in unsern Standortdatenblättern, um ein Vielfaches höher liegen: https://www.anfr.fr/fileadmin/mediatheque/documents/5G/20200410-ANFR-rapport-mesures-pilotes-5G.pdf

Nun ist es so, dass die Zwangsbestrahlung der Bevölkerung durch Mobilfunkantennen, aus oben genannten Gründen, sich stark verändert und erhöhen wird. Und das grösste Problem dabei ist der Umstand, dass die neue Situation mit höheren Frequenzen und Beamformingantennen nie untersucht wurde. Man wird die Bevölkerung zwangsbestrahlen und dann schauen, was passiert. Wir, die Nachbarn der Antennenstandorte, sind in diesem Prozess die Versuchsratten!
Zu diesem Thema haben die Ärztinnen und «Ärzte für Umweltschutz» das Thema 5G sehr detailliert analysiert, wie es in ihrer Zeitschrift Oekoscop 2/20 nachzulesen ist:
http://www.aefu.ch/fileadmin/user_upload/aefu-data/b_documents/oekoskop/Oekoskop_20_2.pdf

Generelle Hinweise zu Einsprachen:
Gegen Antennen-Baugesuche kann man kostenlos Einspruch erheben. Das sollen möglichst viele Personen tun. Aus meiner Erfahrung ist es nicht sehr klug, wenn man einfach nur Unterschriften sammelt und letztendlich nur wenige Einsprachen einreicht. Viele Einsprachen haben den Vorteil, dass viele Argumente genannt werden und viele Einsprachen existieren, welche allenfalls für einen Weiterzug (Rekurs gegen den erstinstanzlichen Entscheid) gebraucht werden können.
Rekurrieren können nur Leute, welche eine Einsprache einreichten und nur mit den in der Einsprache genannten Argumenten!
Deshalb ist es sehr wichtig, dass in der Einsprache möglichst viele Argumente genannt werden, auch wenn sie fragwürdig oder nicht ganz korrekt und zutreffend sind.
Speziell in kleineren Gemeinden gibt es auch hin und wieder die Möglichkeit, den Haus- oder Grundeigentümer des Antennenstandortes umzustimmen. Auch ein unterschriebener Vertrag, lässt sich unter Umständen rückgängig machen.

Typische Argumente für Einsprachen (speziell für adaptive (beamforming) 5G Antennen):

  • Das Qualitätssicherungssystem zur Überprüfung der Senderleistung ist selbst für konventionelle Antennen fragwürdig. Im Bundesgerichtsentscheid 1C_97/2018 ist unter 8.3 vermerkt: «Die diesbezüglich im Kanton Schwyz festgestellten Abweichungen sind gemäss den Angaben des BAFU auf Fehler bei den Prozessen der Übertragung von Daten in die QS-Datenbanken zurückzuführen. Da solche Fehler von den QS-Systemen nicht erkannt werden, beeinträchtigen sie deren Funktionsfähigkeit (anders noch Urteil 1C_323/2017 vom 15. Januar 2018 E. 3.4.2). Dass im Kanton Schwyz entsprechende Abweichungen bei acht von 14 geprüften Anlagen festgestellt wurden, lässt darauf schliessen, dass die Prozesse der Datenübertragung in die QS-Datenbanken in diesem Kanton nicht hinreichend eingehalten bzw. «gelebt» wurden. Ob dies auch in anderen Kantonen zutraf und die festgestellten Abweichungen dazu führten, dass die Grenzwerte der NISV überschritten wurden, steht damit aber nicht fest, weshalb insoweit Klärungsbedarf besteht».
  • Und in Bezug auf 5G beamforming Antennen ist anzumerken, dass es bisher noch keine qualifizierten Messverfahren gibt! In einem aktuellen Bericht (April 2020) der „Agence Nationale des Fréquences“ (ANFR Frankreich) konnten mittels spezieller Messtechnik der maximale elektrische Feldpegel, wenn die Antenne bei Volllast in eine bestimmte Richtung sendet, gemessen werden. Die gemessenen elektromagnetischen Felder waren sehr viel höher im Vergleich zu konventionellen Messungen.
  • Die Beurteilung von adaptiven Antennen, welche notabene nicht korrekt auszumessen sind, wird mit Hinweisen auf Empfehlungen der Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz (BPUK) legitimiert. Dazu sei erwähnt, dass die Basis der BPUK eine „Konferenz“ von Planungs- und Umweltdirektoren ist. Deren Abmachungen sind Hinweise, welche die Funktion haben, Kompromisse zwischen Technologiewünschen und Umweltverträglichkeit zu empfehlen. Diese Empfehlungen sind jedoch lediglich Absprachen ohne politische Basis. 


Typische Argumente für Einsprachen (generell):

  • Standortwahl: Schonzone; Schutzzone; in der Nähe von Schulen, Kindergärten, Spielplätzen, Gartenrestaurants, Spitäler
  • Verschandlung des Stadtbildes; in der Nähe anderer Antennen (Kumulation der Strahlen); etc…
  • Standort beschränkt Ausbau bestehender Liegenschaften: Wenn dereinst bestehende Liegenschaften (gemäss geltender Bauvorschrift) ausgebaut werden, müssen die Grenzwerte immer noch gewährleistet sein.
  • Gesundheitsrisiko: Viele bekannte Studien weisen darauf hin, dass die geltenden Grenzwerte (NISV) viel zu hoch sind. Diesbezüglich sei insbesondere auf die aktuellen Ramazzini und  NTP Studien hingewiesen. Die «Beratende Expertengruppe nicht-Ionisierende Strahlung BERENIS» hat diese Studien in einer Sonderausgabe vom Nov. 2018 zusammengefasst. Offenbar schliesst die BERENIS nicht aus, dass diese und weitere Studien zu einer Herabsetzung der geltenden Grenzwerte führen könnten.Ferner sei auch auf die  ATHEM-2 und auf die REFLEX-Studie (Prof. Adlkofer, München) hingewiesen. Auch die Studie von Prof. Lerchl der Jacobs Universität in Bremen bestätigt höhere Tumorrisiken weit unter den geltenden Grenzwerten.
  • Ferner zeigt die Erfahrung, dass die dem Baugesuch zugrunde liegenden Berechnungen oft fehlerhaft sind. Deshalb ist davon auszugehen, dass geltende Grenzwerte überschritten werden
  • Es gibt auch keine vernünftige Kontrolle der Sendeleistungen, weshalb die berechneten Werte in der Bauauschreibung nicht gewährleistet sind.
  • Bauvorschriften: Obwohl die Antennen teilweise sehr klotzig und massiv konstruiert sind, werden sie in der Regel nicht als Aufbauten interpretiert, weshalb sie bezüglich Bauhöhenbeschränkung in einer bestimmten Bauzone juristisch nicht relevant sind. Hingegen brauchen diese Antennen noch Zusatzgeräte, welche oft in einem sogenannten «Equipment-Container» untergebracht werden. Diese Container hingegen müssen die Bauvorschriften erfüllen! Weil die Kühlgeräte dieser Container oft noch ziemlich lärmig sind, kann man durchaus gegen diese Aufbauten und gegen den befürchteten Lärm vorbeugend einsprechen.